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Erfahrungsberichte

Von Florian - 2017

Als ich mich für die Famulatur in Liuli entschieden hatte, war mir das Land noch vollkommen fremd. Ich war noch nie auf dem Festland in Afrika, geschweige denn von einem so kleinen Ort wie Liuli, mitten im Landesinneren. Dem entsprechend waren meine Erwartungen die ich an das Land und seine Menschen stellte, nüchtern betrachtet, eher fantastische, ausgeschmückte Bilder die ich aus dem Fernsehen kannte und meine Vorstellungen fütterten.

Als ich dann im Ort nach zwei Tagen, doch etwas anstrengender und auch ermüdender Reise mit dem Bus erreichte, war ich erleichtert. Zunächst von dem Trubel und dem Gedränge von Daressalam eingeschüchtert, fand ich einen kleinen, malerischen afrikanischen Ort am Lake Malawi wieder, der fast schon ein karibisches Flair versprühte. Nicht nur der Ort, sondern insbesondere die Menschen, allen voran der Chefarzt Daniel Ndimbo, machte unsere Famulatur aber zu einem unvergesslichen Erlebnis, das mich menschlich, aber auch medizinisch geprägt hat.

Im Doctors House, unserer Unterbringung, hat uns nichts gefehlt – was auch unserer netten Köchin und Versorgerin zu verdanken war. Schnell wurden wir im Dorf, als auch im Krankenhaus vorgestellt und integriert. Der obligatorische Gang zum Wasserholen im Dorf wurde schnell noch zu einem Abstecher zum Stoffladen und einer kurzen Kostprobe der täglich frischen Andarsi ausgeweitet. Gerade wenn man sich auf Suaheli, wenn auch nur provisorisch, verständigen kann trifft man auf fast schon überschwängliche Gastfreundschaft und fühlt sich gut aufgehoben. 

Der Alltag im Krankenhaus ist schnell erklärt – nach der Visite, die gerne auch mal über den ganzen Tag verteilt ist, kann man bei Untersuchungen assistieren und auch selber durchführen. Entsprechend der Region stehen insbesondere Infektionskrankheiten wie Malaria und Typhus im Vordergrund. Insbesondere für Mediziner, die gerne mal einen Einblick in die Gynäkologie und Allgemeinchirurgie gewinnen wollen, ist der dortige Krankenhausalltag zu empfehlen. So besteht ein Großteil des OP-Alltags aus Ceasarian Sections und Hernienoperationen bei denen man selber auch tatkräftig mithelfen kann. 

Trotzdem soll man, gerade wenn man mit mehreren Leuten da ist, einen gutes Zeitplan aufstellen – trotz der Situation, dass das Krankenhaus für viele Menschen zuständig ist, kann es schnell passieren, dass man doch ohne Arbeit dasteht und zu vielen Pausen verdammt ist - ganz getreu dem tansanischen Lebensstil, dass man Dinge eher gemütlich angeht.

Der Kontakt vor Ort zum Verein hat ohne Probleme geklappt und mit Daniel haben wir einen freundlichen, sorgsamen Freund gefunden, der uns bei allem geholfen und sich um uns gekümmert hat. 

Man sollte jedoch nicht vergessen, dass man im Ort Liuli zwar nicht nur als weißer Mensch, sondern auch als Krankenhausmitarbeiter erkannt ist und somit auch als Teil des Dorflebens integriert und respektiert ist, man aber in den Ballungszentren in der Küstenregion Tansanias und den größeren Städten gerade als Individualreisender immer vorsichtig sein sollte. Tansania ist nach wie vor kein reines Urlaubsparadies. Die Bevölkerung ist größtenteils sehr arm und insbesondere Nachts kann es gefährlich draußen sein – womit nicht nur die örtliche Fauna gemeint ist. Die Kultur des Tansanier ist zwar bunt und lebensfroh, aber jedoch zum Beispiel was das Bild der Frau angeht, noch in den Kinderschuhen im Vergleich zu westlichen Gesellschaft. 

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass sich die Reise durchaus gelohnt hat und dass ich mein Leben lang davon zehren werde. Mit allen Risiken und positiven als auch negativen Erfahrungen, die ich dort machen durfte, kann ich die Famulatur nur weiterempfehlen. 

(Florian, März 2017)

 

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